Geschäftsführer Airmail Center A. Heitmann und M. Bellinghausen
Axel Heitmann und Markus Bellinghausen,
Geschäftsführer Airmail Center

Axel Heitmann und Markus Bellinghausen leiten gemeinsam das Airmail Center Frankfurt

Markus Bellinghausen (49) ist neu im Airmail Center, aber ein „alter Hase“, wenn es um Post geht. Er blickt auf 29 Jahre Deutsche Post zurück. Dort war er immer im Bereich Operations tätig, in ganz unterschiedlichen Funktionen, stets mit starker Prozess-, Kosten- und Qualitätsorientierung. Seine großen Leidenschaften: Er ist auf Reisen, immer wenn es möglich ist und liebt Musik, auch wenn sie laut ist. Ihn begeistern die großen, schwarzen Scheiben, vorwiegend Rock und Jazz, die er am Wochenende auf seinem „archaischen“ Plattenspieler abspielt.

Axel Heitmann (50), der „Senior“ in der Geschäftsführung, ist passionierter Airliner. Nach Stationen bei British Airways und der Deutschen BA wechselte er 2001 zu Lufthansa Cargo. In den letzten 16 Jahren pflegte er den Schwerpunkt Fracht in speziellen Nischen mit Spezialprodukten, wie zum Beispiel der Animal Lounge oder jetzt dem Luftposthandling. Und das hauptsächlich mit betriebswirtschaftlichem Hintergrund und in kaufmännischen Tätigkeiten. Privat haben ihn Tiere nie losgelassen, wie man an seinen beiden sibirischen Katzen sieht.

Macht die Trennung zwischen operativem und kaufmännischem Management beim Airmail Center überhaupt Sinn?

Axel Heitmann:
In kleinen Einheiten wie dem Airmail Center ist der Bezug zur Operations immer da, weil man unmittelbar damit zu tun hat. Obwohl unsere Geschäftsfelder getrennt sind zwischen dem Operativen und dem Kaufmännischen, sind die Schnittmengen extrem groß. Letztlich kommt es darauf an, wo die Talente und Leidenschaften jedes Einzelnen liegen. Die Trennung zwischen operativ und kaufmännisch ist im Geschäftsplan so vorgesehen und nach meiner Auffassung auch vernünftig. Vor allem im Hinblick auf unsere Kunden, die eine klare Zuordnung brauchen, mit welchen Themen sie sich an welchen Geschäftsführer wenden können. Das gilt darüber hinaus auch für unsere Mitarbeiter und Gesellschafter.

Wofür steht denn aus Ihrer Sicht eigentlich das Airmail Center?

Markus Bellinghausen:
Wenn man am Frankfurter und Münchener Flughafen an Post denkt, sollte man zuerst ans Airmail Center denken. Das Airmail Center soll der Postdienstleister am Flughafen sein. Wir sind da sicher noch nicht ganz angekommen, aber das wäre ein konsequenter Entwicklungsweg für uns.

Wo wäre dann die Abgrenzung zur Post?

Axel Heitmann:
Die Post macht nicht das, was wir unter Ground Handling Prozessen verstehen. Die Post übernimmt erst ab einem bestimmten Punkt oder macht die Vorstufe. Wo das Airmail Center steht? Genau zwischen der Post und den Fluggesellschaften. Dort an dieser Schnittstelle sind wir das Scharnier, bei dem jeder zuallererst an uns denken soll. Wir als hochwertiger Anbieter mit der räumlichen Nähe zur Deutschen Post und den kurzen Wegen zu den Fluggesellschaften sind die Wahl Nummer Eins in diesem Scharnier.

Welche Schlagworte und Bilder gehen Ihnen durch den Kopf, wenn Sie ans Airmail Center denken?

Markus Bellinghausen:
Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, will man nicht plakative Parolen bringen. Was mir dazu einfällt ist genau ein Schlagwort: Excellence. Mir ist durchaus bewusst, das ist ein schwieriger Begriff. Was ist denn Excellence überhaupt? Was verbinde ich damit? Wenn das Airmail Center von Kunden bevorzugt wird, weil es keine Fehler macht. Wenn es von Mitarbeitern bevorzugt wird, weil sie gerne hier arbeiten. Wenn die Gesellschafter zufrieden mit uns sind. Das alles schaffen wir nur, wenn wir exzellent sind.

Axel Heitmann:
Schlagworte sind nach wie vor Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit, Ansprechbarkeit, Transparenz. Dafür steht das Airmail Center. In Kundenbefragungen wird uns regelmäßig widergespiegelt, dass wir das erreichen. Häufig sind wir selbst unser kritischster Kunde. Uns hindert nichts, mit dem kritischen Blick nach innen auf dem Weg zur Excellence vieles zu hinterfragen, besser zu machen und uns weiterzuentwickeln. Ich glaube in der Tat, dass wir in der Scharnierfunktion, die ich vorhin beschrieben habe, nicht überlebensfähig sind. Wir müssen uns vielmehr in einer sich verändernden Welt öffnen für andere Dienstleistungen, um uns in einer integrierten Logistikkette so einzuweben, dass wir nicht mehr wegzudenken sind. Sonst landen wir in der Beliebigkeit und im Mittelmaß.

Was heißt für Sie kontinuierliche Verbesserung? Im Hinblick auf Kundenbeziehungen, Partnerbeziehungen und Prozesse? Wo sehen Sie Potenziale?

Markus Bellinghausen:
Keine Frage, kontinuierliche Verbesserung ist einer der Schlüsselbegriffe für Weiterentwicklung in Unternehmen. In Bezug auf Kunden und Partner bedeutet das für uns zunächst einmal regelmäßigen Dialog. Verstehen, wo beim Kunden „der Schuh drückt” und in zweiter Linie auch die Sorgen und Nöte von Partnern aufnehmen. Um dann möglichst die passenden Lösungen und die richtigen Antworten auf deren Herausforderungen zu finden. Das kann man nur – das sagt auch der Begriff kontinuierlich – durch regelmäßigen Dialog, denn diese Kundenbedürfnisse ändern sich auch. Insofern ist es wichtig, in permanentem Austausch zu bleiben.

Axel Heitmann:
Auch bei den Prozessen ist es unabdingbar, in einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess einzusteigen. Denn nur, wenn wir ständig an uns arbeiten, können wir mit allen Qualitätsparametern, also Fehlerrate, Laufzeit oder Beschädigungsquote, überhaupt am Markt bestehen. Das gilt im Übrigen auch für das Pricing, denn wir sind ja nicht frei von Konkurrenz, insofern ist der Preis immer von Bedeutung.

Markus Bellinghausen:
Bei Prozessen lässt sich kaum feststellen, ob mit dem jetzigen Status bereits das Optimum erreicht ist und man sagen kann: ‚Ich habe alles getan, um diesen Prozess zu optimieren.‘ Das ist vielmehr ein Evolutionsprozess, den wir mehrmals durchlaufen können und dabei immer noch Potenziale heben, qualitativ und auch vom Preis her betrachtet. Als Fazit können wir sagen: Das Airmail Center ist bereits im regelmäßigen Kontakt mit Kunden und Partnern, wird diesen aber noch intensivieren. Und bei den Prozessen werden wir einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess ein ganzes Stück weit implementieren.

Wie wichtig ist das Thema Vernetzung für die Luftpostabwicklung?

Axel Heitmann:
Vernetzung ist in jeder Hinsicht eminent wichtig, einmal im Bereich Partner- und Kundenmanagement. Das Airmail Center befindet sich ja in einer ausgesprochenen Sandwich-Position, da geht ohne Vernetzung gar nichts. Das gilt genauso für das Thema IT.

Markus Bellinghausen:
Wir stellen fest: Das Transparenzbedürfnis unserer Kunden entlang der Prozesskette ist in den letzten Jahren wahnsinnig gewachsen. Jedes Packstück erzeugt Messages in der Prozesskette und unser Kunde erwartet eine Visualisierung und Zustellung dieser Nachrichten. Insofern ist die IT neben unserem Sorter lebenswichtig, da spielt systemübergreifende Vernetzung eine außerordentliche Rolle.

Axel Heitmann:
Die Frage, die uns in diesem Zusammenhang häufiger gestellt wird: Wer sind denn eigentlich eure Kunden? Die Airline? Die Postgesellschaft? Ja, das ist so und das wird auch zukünftig so sein. Aber daneben sollten wir die Ausschau halten nach weiteren Kunden, die am Horizont auftauchen, wie zum Beispiel andere Postgesellschaften oder andere Versender, die postalisch etwas auf den Weg bringen. Natürlich sind wir am Ende des Tages durch das Bestandsgeschäft ein Stück weit determiniert. Wir dürfen uns aber vor neuen Entwicklungen nicht verschließen und müssen uns für Möglichkeiten jenseits der beschriebenen Scharnierfunktion öffnen. Das ist für eine kleine Unternehmung wie uns eine große Herausforderung.

Markus Bellinghausen:
Für mich lautet die große Frage: Wie bringen wir in Erfahrung, ob nicht andere Dienstleister auch unser Portfolio nutzen können? Wie arbeiten diese Dienstleister derzeit? Können wir für sie etwas tun? Es ist ein sehr unübersichtlicher, heterogener Markt und wir fragen uns natürlich: Wie können wir uns in diesem Markt besser positionieren? Auch am Flughafen gibt es noch Post, die nicht über uns läuft. Da ist also noch mehr und darum müssen wir uns kümmern.

Wandel ist schön. Aber wie steuert man ihn? Wo liegt vorn im Airmail Center Geschäftsmodell?

Markus Bellinghausen:
Ich beziehe Ihre Frage eher auf das Thema Change und das ist letzten Endes der Schlüssel zum Erfolg. Einen Change Prozess kann man nur gemeinsam mit dem gesamten Management machen. Wir müssen darauf achten, dass wir die Mitarbeiter/innen nicht unterwegs gedanklich abhängen. Aus diesem Grund müssen wir die Notwendigkeit eines solchen Change Prozesses erklären, weil er oft auch mit Opfern verbunden ist. Change ist nicht immer nur angenehm. Dann muss man die Notwendigkeit erklären und kompensierend eingreifen, falls die Opfer zu groß werden. Da ist man als Management ganz besonders gefordert. Die Notwendigkeit von Change hängt eng zusammen mit dem kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Manche mögen gar nicht einsehen, dass solch ein Prozess notwendig ist. Aber ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess ist immer auch direkt ein Change Prozess, und da sind wir beide gefordert, regulierend einzugreifen.

Was heißt das konkret?

Axel Heitmann:
Im Prinzip ist das der Change in Richtung kontinuierlicher Verbesserung. Und am Ende des Prozesses steht die Excellence, da schließt sich dann der Kreis. So ein Prozess kommt von selbst, der lässt sich gar nicht aufhalten. Wir müssen ihn gestalten und das ist mit Sicherheit die schwierigste Aufgabe überhaupt. Das ist ein Gesamtzusammenhang: Sie können Excellence auf dem Weg der kontinuierlichen Verbesserung nur erreichen, wenn Sie den Change Prozess aktiv gestalten.

Wo sehen Sie das Unternehmen in 3 bis 5 Jahren?

Markus Bellinghausen:
Neu an Bord, sehe ich noch nicht drei bis fünf Jahre weit. Das reicht mir noch nicht an Einblicken. Ich weiß aber, was wir innerhalb der nächsten zwölf Monate tun müssen. Ich bin in der Lage, eine operative Kurzfriststrategie herzuleiten.

Axel Heitmann:
Natürlich werfen wir immer den Blick voraus, wenn es um eine wirtschaftliche Betrachtung geht. Mit unseren Produkten sind wir ja genau am Pulsschlag der Globalisierung. Wir hängen mit am Fliegenfänger, wenn man so will. Bezogen auf das Airmail Center Kerngeschäft würde ich mir nicht anmaßen zu beurteilen, wie sich die Geschäfte mit den USA in den kommenden drei bis fünf Jahren entwickeln. Oder eine Antwort zu haben auf die Fragen: Wie wird sich der chinesische Markt entwickeln? Wie werden sich regulatorische Änderungen auf unser Kerngeschäft Postversand auswirken? Wie verändern sich gewisse Postströme in Bezug auf den Hub Frankfurt? Da sind wir gut beraten, uns so aufzustellen, dass wir möglichst flexibel agieren können. Wir sollten uns auch in Zukunft schlank aufstellen und uns nur das leisten, was wir uns auch leisten können. Eins kann ich dazu sagen, wo ich das Unternehmen in drei bis fünf Jahren sehe: dass es am Markt mit exzellenter Leistung bestehen kann.

Markus Bellinghausen:
Ich glaube auch, man kann im Moment unmöglich prognostizieren, wie das Geschäft in drei bis fünf Jahren aussieht. Es hätte vielleicht auch vor fünf Jahren keiner voraussagen können, dass China so boomt. Man muss dabei ja immer unterscheiden: Ist es ein Trend oder ist es ein Hype? Das ist manchmal schwer zu trennen, aber man muss auf Hypes genauso reagieren wie auf Trends. Und insofern kann man am Ende nur sagen: Immer schön in Bewegung bleiben.

Die Geschäftsführung im Airmail Center: Axel Heitmann und Markus Bellinghausen leiten die Geschicke des Airmail Centers.